HL. Bestattungen - Tradition und Abschied
HL. Bestattungen - ...wo Menschlichkeit noch wichtig ist...

Tradition und Abschied
 
Immer mehr Angehörige entscheiden sich für einen individuellen Abschied. Wir möchten Ihnen hier ein paar Anregungen geben, wie ein individueller Abschied gestaltet werden kann. Vorher möchten wir Ihnen aber noch einen kleinen Einblick verschaffen, wie das alles damals so war, mit dem Tod und der Verabschiedung.



Vor vielen Jahren...
hatte der Tod eines Angehörigen einen festen Platz im Leben der Familie. Durch mangelnde Hygiene und fehlendes medizinisches Wissen sowie großer Armut kam der Tod damals wesentlich häufiger in das eigene Haus. Kinder starben sehr viel früher als heute und alte Leute starben oft an Fieber oder Durchfall. So war es fast überall, ob im eigenen Haus oder bei den Nachbarn.
 
Kündigte sich der Tod an, dann nahmen Verwandte und Bekannte einen weiten Weg auf sich, um sich von dem sterbenden Menschen zu verabschieden, sagten dabei Dinge die sie schon lange auf dem Herzen hatten und dem Sterbenden noch sagen wollten. So konnte ihnen bereits am Sterbebett noch vergeben werden. Der Sargbau wurde von einem örtlichen Tischler übernommen. Die Familie kleidete den Sarg mit eigenen Tüchern aus.
 
War der geliebte Mensch nun verstorben, dann wurden die Fenster geöffnet, damit die Seele hinaus kann und Augen und der Mund geschlossen. Spiegel wurden verhängt und Uhren angehalten, weil der Verstorbene das Zeitliche verlassen hat. Die Arbeit wurde liegen gelassen und Nachbarn brachten das benötigte Essen ins Haus. Familienangehörige wuschen den Verstorbenen, zogen ihm feine, meist selbstgenähte Kleidung an und bahrten ihn in der Wohnstube auf. Dann kamen alle Nachbarn und Freunde und verabschiedeten sich noch einmal am offenen Sarg. Oft wurden dabei kleine Geschenke auf den letzten Weg mitgegeben. In den letzten Tagen vor der Beerdigung hielt die Familie dann Totenwache. Abwechselnd sah’s immer Jemand am Sarg und sprach mit dem Verstorbenen oder sang ein paar Lieder. Kerzen wurden aufgestellt und Gebete gesprochen.
 
Am Tag der Beerdigung wurde sich schwarz gekleidet und der Sarg, durch die Familienangehörigen selbst zum Grabe getragen oder durch eine schwarze Überführungskutsche zum Friedhof gefahren. Hinter dieser versammelten sich alle Verwandte, Bekannte, Nachbarn und Freunde und begleiteten den Sarg. Unbeteiligte nahmen beim vorbeifahren oder vorbeitragen des Sarges den Hut ab, falteten die Hände und schauten zu Boden. Die Angehörigen ließen den Sarg selbst ins Grab hinab und schaufelten es anschließend auch wieder zu. Nach der Beerdigung wurde gemeinsam ein großes Essen zu sich genommen. Für den Verstorbenen konnte ein Platz frei gehalten werden.
 
Wichtig war es, dass man nach der Beerdigung das Trauerjahr einhielt. Somit konnte jeder aus dem Dorf sehen, dass man um einen Menschen trauert. Im eigenen Hause wurden die Fenster
und Türen wieder geschlossen und das Haus gereinigt.
 

Heute...
stirbt fast keiner mehr in den eigenen vier Wänden oder im Kreise seiner Familie, sondern fast ausschließlich nur in Krankenhäusern und selten auch noch in Pflegeeinrichtungen.
Abschiednehmen am Sterbebett ist selten möglich, denn das Zimmer oder Bett sollte aus Kostengründen schnell wieder belegt werden können.
Je nach Region dürfen Überführungsfahrzeuge sich nicht an Krankenhäuser oder Pflegeeinrichtungen stellen, sondern müssen unauffällig an der Rückseite des Gebäudes in eine Tiefgarage fahren und den Verstorbenen dort aus der Kühlung holen. Manche Einrichtungen wünschen auch nur eine Abholung zu später Stunde, wenn Patienten und Bewohner schon schlafen. Verstirbt ein Angehöriger im eigenen Zuhause, dann wird dieser manches Mal erst viele Tage später gefunden, da keine Familienangehörigen mehr da sind oder weit entfernt wohnen. Finden Angehörige den Verstorbenen, so wird um eine rasche Abholung gebeten, die Tür des Zimmers, in dessen der Verstorbene liegt, wird manchmal sogar geschlossen.
 
Viele Familienangehörige wohnen nicht mehr in der Heimat, haben keine Zeit mehr und durch niedrige Löhne auch wenig Geld für die Beerdigung übrig.
Es wird gewünscht, die Trauerfeier nur im engsten Familienkreis zu halten, oft wird sich nicht noch einmal von dem Verstorbenen am offenen Sarg verabschiedet.
Feuerbestattungen nehmen immer häufiger zu, Gemeinschaftsgräber werden vermehrt ausgewählt.
Zu den Beerdigungen werden gedeckte Farben getragen und schwarz nur von den nächsten Angehörigen. Nach der Trauerfeier wird die schwarze Kleidung schon wieder abgelegt.
Der Tod wird als Tabuthema betrachtet und Trauer hat durch die schnelllebige Zeit keinen Platz mehr in unserem Leben. Alles muss schnell wieder so sein, wie es einmal war.
 
Doch gerade deswegen ist es sinnvoll, die alten Rituale wieder aufzunehmen, nur in zeitlich angepasster Form an die heutigen Bedürfnisse und Gegebenheiten. Diese kleinen Rituale können uns nämlich den Abschied sehr erleichtern.
 
 



Durch fehlende Rituale und die vom Friedhof knappe vorgesehene Zeit für eine Feierlichkeit, macht heute fast jede Beerdigung gleich. Angehörige möchten oder werden nicht gefragt, ob sie sich an der Ausgestaltung der Trauerfeier beteiligen wollen. Doch wenn man letzte Dinge für den Verstorbenen selbst erledigen kann, dann ist dies schon ein erster kleiner Schritt zur Bewältigung der Trauer.


Wir würden uns wünschen, wenn Sie sich für einen
individuellen Abschied entscheiden.
 

Folgende Stichpunkte sollen eine kleine Anregung für einen individuellen Abschied sein:
 
* dem Verstorbenen eigene Kleidung anziehen
* den Sarg oder die Urne selbst bemalen
* die Trauerhalle selbst ausschmücken und persönliche
   Gegenstände, die den Verstorbenen wiederspiegeln, in die
   Dekoration einbauen
* ein Bild zur Trauerfeier aufstellen
* die Lieblingslieder des Verstorbenen spielen
* selbst ein paar Worte sprechen
* selbst Lieder spielen oder singen
* Zitate und gemeinsame Erlebnisse von Freunden und
   Bekannten vortragen lassen
* ein Kondolenzbuch auslegen
* kleine Abschiedsgeschenke mit in den Sarg legen
* eine Schweigeminute einlegen
* kleine Gebete und Lieder in der Gemeinschaft
   sprechen und singen
* jedem Trauergast ein kleines Andenken an die
   Trauerfeierlichkeit mitgeben
* die Trauerfeier auf Video aufnehmen lassen
* den Sarg selbst schließen
* eine Diashow mit den Bildern aus dem Leben des
   Verstorbenen abspielen lassen
* die Urne oder den Sarg selbst zum Grab tragen
 
 - mehr Anregungen können Sie selbstverständlich
auch von uns erhalten -






Ein ewiges Rätsel bleibt das Leben,
und ein Geheimnis bleibt der Tod.
Emanuel Geibel